Gibt es die “Klassik-Krise”?

Sie wird von vielen beschworen und ist eine Angst, die vor allem bei jungen Musikern immer und immer wieder herumgeistert: die viel beschworene und gefürchtete “Klassik-Krise”. Denn angeblich will keiner mehr klassische Musik hören – erste Stimmen rufen sogar “Klassik ist tot”, ähnlich dem vielgesagten und auf diverse T-Shirts gekritzelten “Punk is Dead”, mit dem das Genre der Punkmusik in den 1980er Jahren zu Grabe getragen werden sollte.

Aber genau wie beim Punk, der sich auch im Jahr 2018 noch großer Beliebtheit erfreut (immerhin wurde in der Hit-Serie “Stranger Things” auf Netflix ein ganzes Thema nur um den Klassiker “Should I Stay Or Should I Go” der der britischen Punkband The Clash aufgebaut!), so ist auch die klassische Musik keineswegs in einer Krise oder gar tot – ganz im Gegenteil, wie jetzt auch Jan Brachmann von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein für alle Mal feststellt.

Der Schwund war da

Die Angst vor dem Aussterben der klassischen Musik und einem Desinteresse an den großen orchestralen Darbietungen ist nicht unbegründet. Zwischen 2005 und 2011 ging das Interesse am Besuch klassischer Musikaufführungen, sowohl in Form von Festivals als auch von Einzelkonzerten, deutlich zurück. Von ehemals 12,1 Prozent der deutschen Bevölkerung kamen im Jahre 2011 nur noch acht Prozent zu den Veranstaltungen, die Klassik-Welt wurde nervös. Manche befürchteten gar, das Publikum für klassische Musik würde aussterben und die jungen Leute sich nicht mehr für klassische Musik interessieren. Aber weit gefehlt, wie die aktuellen Zahlen des Deutschen Musik-Informationszentrums zeigen: Heute liegt die Zuschauerzahl bei 10,5 Prozent der deutschen Bevölkerung – Tendenz steigend. Brachmann erklärt sogar, dass so viele Deutsche klassische Musik hören wie nie zuvor: in einer Studie der FAZ vom August 2016 fand die Zeitung heraus, dass sich die Anzahl der Besucher von Konzerten und Opern seit 1871 verzehnfacht hatte – eine Steigerung, von der Genres wie Punk nur träumen können.

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