Hauptsache Event?

Eine Zeitlang hieß es, die klassische Musik würde am letzten Strohhalm hängen und langsam, aber sicher untergehen. Dass sich diese Behauptung nicht bewahrheitet hat, zeigen die aktuellen Zahlen. Wie auch wir in einem Artikel hier auf mv-wolfersweiler.de berichten, geht die Anzahl der Konzertbesucher sogar in die Höhe – ein gutes Zeichen also für die Welt der klassischen Musik. Aber wie sieht es mit der Qualität der Veranstaltungen aus? Ist denn auch alles, was wir als “klassisches Konzert” angeboten bekommen, wirklich gut?

Event ist wichtiger als die Musik

Bereits 2004 schrieb Harald Budweg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mehr oder weniger frustriert, dass der Event-Charakter der klassischen Musik den Garaus machen würde. Und damit hatte er nicht Unrecht. Zahlreiche Musiker, deren Leistungen lange nicht für die eines Solisten ausreichten, starteten mangels Engagements einfach ihre eigenen Festivals, für die sie ein Orchester buchten, um sich selbst als Solisten auf die Bühne zu stellen. Dass dabei nur wenig Gutes herauskam, lässt die Erzählung ja schon vermuten. Aber: Das Publikum nahm die Veranstaltung wie präsentiert hin, klatschte brav am Ende und unterhielt sich dann im Foyer mit dem vermeintlichen Künstler. Die Sponsoren sind glücklich, der Künstler ist noch überzeugter von sich selbst – und das Publikum? Das traut sich teilweise wahrscheinlich einfach nicht, das Kind beim Namen zu nennen und stimmt lieber zu, dass es sich hier um ein unglaublich gutes, mit Meta-Ebenen gespicktes Meisterwerk handele, das man erst verstehen müsse, um nicht als der Doofe dazustehen, wenn sie die Wahrheit sagen mit: Nein, das war Mist.

Diese Einstellung hat sich leider auch bis heute nicht geändert. Zwar gehen immer mehr Menschen wieder zu Aufführungen von klassischer Musik. Aber manchmal möchte man eben sagen: Nein, mach das lieber nicht. Denn was uns gerade vor allem im ländlichen Raum geboten wird, ist keine gute Musik, sondern eine Schande für jeden echten Klassik-Liebhaber.

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